Toggenburger Nachrichten – Frischer Kaffee am Spitalbett

Innovation

Seit gut drei Monaten sind am Zürcher Stadtspital Triemli Cateringwagen auf den Etagen im Einsatz. Entwickelt und produziert wurden diese von der Cekatec AG in Wattwil.

Urs M. Hemm: Wer kennt ihn nicht, den meist nur mit Mühe geniessbaren Kaffee in Spitälern. Dank der Entwicklung des Wattwiler Unternehmens Cekatec AG sind dessen Tage – zumindest im Zürcher Triemlispital – gezählt. Denn dort sind seit Kurzem 15 Cateringwagen mit akkubetriebenen Kaffeemaschinen im Einsatz. Mit denen kann das Personal nicht nur normalen Kaffee und Espresso, sondern auch Latte Macchiato und viele andere Kaffeespezialitäten direkt am Bett des Patienten frisch zubereiten. Die Anfrage, einen völlig neuartigen Cateringwagen zu entwickeln, sei von der Selecta AG gekommen. «Sie ist aufgrund der von uns entwickelten Minibars in den SBB-Zügen, auf uns aufmerksam geworden», erläutert Marco Pfister, Director Sales & Marketing bei der Cekatec AG. Mittlerweile laufen auch Gespräche mit dem Kantonsspital Chur und dem Inselspital Bern über den Einsatz von Cateringwagen. «Das ‹Triemli› kam als Testbetrieb zum Zug, weil dort neu gebaut wurde und ohnehin ein neues Konzept eingeführt werden sollte», sagt Pfister.

Verbesserter Service für den Patienten

Der grosse Vorteil der neuen Cateringwagen ist, dass sie völlig unabhängig von festen Strom- quellen bewegt werden können. «Alle Wagen sind mit von uns entwickelten Lithium-Ionen-Akkus sowie dem dazugehörigen Überwachungssystem, dem Battery Management System, kurz BMS, ausgerüstet, mit welchen die Kaffeemaschinen betrieben werden», erklärt der Head of Electronic Engineering, Claudio Foscan.

Indem so dem Patienten direkt sein Wunsch erfüllt werden könne, werde viel Zeit eingespart. «Bisher musste das Personal ständig mit dem Krug Filterkaffee hin und her laufen – und jeder unnötige Meter ist ein Meter zu viel», ergänzt Stefan Jud, Managing Director der Cekatec AG. Insgesamt kommen die Cateringwagen einer voll funktionierenden Kaffeebar gleich. Denn neben einer professionellen Gastro-Kaffeemaschine sind ein Kühlschrank für Milch und andere Produkte sowie Schubladen für sauberes und gebrauchtes Geschirr darin verstaut. Der Akku reicht für die Produktion von 64 mal 200 Milliliter Kaffee und ist – wenn er einmal völlig leer sein sollte – in eineinhalb Stunden wieder aufgeladen. Der bisherige Betrieb im Spital laufe sehr gut, sagt Claudio Foscan, der das Personal im «Triemli» ein paar Mal begleitet hat. Zudem wurde bereits ein verbessertes Modell des Cateringwagens mit Elektroantrieb gebaut, der ebenfalls mit dem bestehenden Akku betrieben werden kann.

Universell einsetzbares System

Der im Cateringwagen eingebaute Akku und das BMS sind eine Anpassung und Erweiterung von bereits bestehenden Produkten der Cekatec AG, weshalb die Entwicklung, Konzeptionierung und schliesslich Produktion der Wagen in einem Jahr abgeschlossen werden konnten. Das System könne überall dort eingesetzt werden, wo autonome Energie gebraucht werde. «Dadurch, dass wir das System modular aufgebaut haben, können wir es genau auf die Bedürfnisse des Kunden, wie beispielsweise Spannung und Kapazität des Akkus, ausrichten», sagt Pfister.


Eine originale SBB-Minibar fürs Wohnzimmer

Bereits 2011 wartete die Cekatec AG, Wattwil, mit einer Innovation auf: Dem Independent Hydrogen Power System-Energy oder kurz: IHPoS-E. Dabei handelt es sich um eine Brennstoffzelle, die Energie aus Wasserstoff gewinnt. Bald war auch ein Abnehmer für diese CO2 -freie Energiequelle gefunden – Elvetino, der Betreiber der Minibars in den SBB Zügen, wollte die herkömmlichen Batterien in ihren Minibars durch die neuartigen Brennstoffzellen ersetzen. «Von der Einführung 2013 bis heute lief alles gut damit, sagt Stefan Jud, Managing Director der Cekatec AG. Leider habe aber die SBB zwischenzeitlich ihre Strategie geändert und die Minibars in den Zügen abgeschafft. «Daher haben wir in unserem Lager 10 gebrauchte, aber auch fabrikneue Minibars, die wir nun verkaufen. Vielleicht gibt es, wie damals bei der Swissair, einige SBB-Nostalgiker, die gerne so eine im Wohnzimmer haben möchten», hofft Stefan Jud. (www.ceka.ch/shop)

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